08.10.2010
Kapitalanlagen mit einer ausreichenden Rendite zu finden, ist für viele Anleger heute nicht mehr so einfach. Bei der Berechnung der eigenen Rendite spielen nicht so sehr die ausgeschütteten Gewinne, sondern die Nettorendite, die sogenannte Nachsteuerrendite, eine Rolle. Von der Besteuerung der Rendite sind dabei nicht nur Dividenden, sondern auch Zinserträge und Kurssteigerungsgewinne betroffen. Anleger versuchen deshalb ihre Rendite zu verbessern, indem sie auf Finanzplätzen mit geringeren Steuern investieren. Hierzu zählen insbesondere die Offshore-Finanzplätze, für die besondere steuerliche Regelungen gelten. In der Vergangenheit haben diese Investitionsmöglichkeiten von sich reden gemacht und eine große Zahl an Investoren aus dem Ausland anziehen können.
Der Begriff Offshore-Finanzplatz bedeutet übersetzt so viel wie "küstenferner Finanzplatz". Die Bezeichnung stammt daher, dass diese Standorte früher zumeist englische Kolonien waren, die sich "jenseits des Festlandes" der englischen Heimat in internationalen Gewässern befanden. Umgangssprachlich wird der Begriff Steueroase verwendet. Die Standorte zeichnen sich durch niedrige Steuersätze aus und eine geringe Regulierung des Finanzgeschehens. Die Staaten, in denen diese Steueroasen installiert sind, weisen ansonsten nur noch geringe wirtschaftliche Tätigkeiten auf: Der Großteil ihres Bruttosozialproduktes wird in der Finanzbranche erwirtschaftet, die vor allem mit dem Ausland handelt. Die transferierten Anlagesummen sind dabei in der Regel sehr hoch. Auf diesen Offshore-Finanzplätzen haben sich insbesondere Banken und Versicherungen sowie Finanzinstitutionen im Allgemeinen angesiedelt, um von dort aus ihre Geschäfte abzuwickeln.
Heute spielt der Begriff Offshore für Kapitalanleger eine Rolle in jenem juristischen Sinne, dass die Finanzplätze mit dieser Bezeichnung außerhalb üblicher Rechtsnormen liegen. Ihre hohe Wirtschaftsliberalität wird als wichtiges Gut betrachtet, da sie im internationalen Währungssystem besondere Formen des Risikomanagements erlauben. Kritisiert werden hingegen die Möglichkeiten der Steuerhinterziehung.
Bei der Entscheidung für eine Kapitalanlage auf einem Offshore-Finanzplatz spielen eine Reihe von Kriterien eine Rolle. Der Standort sollte sich durch eine hohe politische und innere Stabilität auszeichnen. Es darf nicht die Möglichkeit bestehen, dass der Staat in der Zukunft Zugriff auf die eigenen Guthaben erlangt. Eine Orientierung bieten hier die sogenannten Länderratings, die sich auf die Stabilität der Rechts- und Wirtschaftsordnung eines Landes beziehen sowie deren demokratische Verfasstheit. Es sollten stabile Währungs- und Devisenkontrollen gegeben sein, ein sicheres Bankgeheimnis sowie eine geringe Bürokratie. Gerade Kosten, die sich aus der Kommunikation mit den Behörden ergeben können, sollten bei derartigen Anlageentscheidungen nicht vernachlässigt werden. Außerdem sollten die allgemeinen Sprachbarrieren niedrig sein.